Thema
Migration
ist Anfrage ans deutsche Bildungssystem
Fachtagung
der Diakonie Baden zu „Aspekten weiblicher
Migration“ / Erste Ergebnisse der bisher
umfangreichsten Studie zum Thema „Migrantinnen“ vorgestellt/
Diakonie begrüßt Schaffung des Integrationsministeriums
Mehr Beratung
und Angebote für Migrantinnen direkt
in den Stadteilen fordert Prof. Dr. Cornelia
Helfferich vom Sozialwissenschaftlichen
Frauenforschungsinstitut in Freiburg. Das
Institut hat im Auftrag der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung
die bisher umfangreichste Studie über
die Situation von Migrantinnen in Deutschland
erstellt.
Prof. Dr. Helfferich
forscht über Migrantinnen.
Foto: Schmidt
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Das
Sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsinstitut
gehört zur Evangelischen Hochschule Freiburg.
Die wiederum ist Mitglied des Diakonischen Werkes
Baden. In der Studie, die bisher noch nicht veröffentlicht
ist, hat Helfferich mit ihrem Forschungsteam
festgestellt, dass das deutsche Bildungssystem
wesentlich dazu beiträgt, dass Migrantinnen
in Deutschland benachteiligt sind. Befragt wurden
850 türkische und 850 Migrantinnen aus Osteuropa.
Download:
Studienergebnisse als
MS Powerpoint-Präsentation
In der Bildungs- und Familienpolitik müsse
sich etwas ändern, so Helfferich auf einer
Tagung der Diakonie Baden unter dem Titel „Aspekte
weiblicher Migration“, die am 14. Juli
in Karlsruhe stattfand. Anlass der Tagung war,
dass jede zweite Frau, die in eine diakonische
Beratungsstelle kommt, einen Migrationshintergrund
hat. Jeder dritte hat eine andere als die deutsche
Staatsbürgerschaft. Deshalb nahmen an der
Fachtagung Gäste aus der Kommunalpolitik
teil, aus der Beratungsarbeit, Medizin und Wissenschaft
teil.
Bei vielen osteuropäischen Frauen stünde
ihr Verdienst im keinem Verhältnis zu ihrer
Qualifikation, hat Helfferich heraus gefunden.
Sie hätten in der Regel hochqualifizierte
Bildungsabschlüsse, die in Deutschland jedoch überwiegend
nicht anerkannt werden. Sie stünden oft
vor der Alternative, Kind oder Weiterqualifizierung
und seien enttäuscht über die Angebote
der Kinderbetreuung für berufstätige
Frauen in Deutschland.
Anders Frauen aus der Türkei. Diese Frauen
würden sehr jung heiraten und hätten
dann oft noch keine Ausbildung abgeschlossen.
Nach der Kinderphase würden sie nur selten
Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung
finden, so Helfferich. Deshalb hält es die
Hochschulprofessorin für vorrangig, entsprechende
Angebote im deutschen Bildungssystem vorzusehen.
Helfferich: „Im Bildungsland Deutschland
wird diesen Frauen im Grunde genommen Bildung
verweigert, weil sie gar keine Chance habe, die
vorhandenen Bildungsangebote in Anspruch zu nehmen.
Hier gibt es – auch für deutsche Frauen – keine
Angebote, einen Ausbildungsabschluss ab 25 Jahren
nachzuholen!
Deshalb fordert die Sozialwissenschaftlerin
mehr Gleichberechtigung für Menschen mit
Migrationshintergrund im Bereich Bildung. Das
deutsche Bildungssystem müsse es ermöglichen,
dass auch junge Müttern ab 25 Jahren einen
Ausbildungsabschluss machen können.
Mit der Schaffung eines eigenständigen Ministeriums
für Integration habe die neue Landesregierung
die Hoffnungen gestärkt, dass sich auch
das Land Baden-Württemberg viel stärker
als bisher in der Förderung von Integrationsprozessen
engagieren werde. Dieses Engagement des Landes
begrüße die Diakonie ausdrücklich,
so Oberkirchenrat Urs Keller, Vorstandsvorsitzender
des Diakonischen Werkes Baden auf dem Fachtag.
Keller: „Wir alle, sowohl das Land, aber
auch die Kirchen und Verbände stehen vor
der großen Aufgabe, sich interkulturell
zu öffnen. Wir selbst haben uns mit den
von unserem Vorstand und Aufsichtsrat der Diakonie
Baden beschlossenen Leitlinien und Handlungsempfehlungen
zur interkulturellen Orientierung und Öffnung
der Diakonie wichtige Selbstverpflichtungen auferlegt.
Hier möchten wir aber nicht stehen bleiben,
sondern diese Prozesse in unseren Diensten und
Einrichtungen vor Ort praktisch umsetzen und
voranbringen.“

Mehrnousch Zaeri erzählte ihre Geschichte in Deutschland.
Ihr Bruder Mehrdad hat es live illustriert.
Foto: Schmidt
Dies tut die Diakonie
Baden unter anderem ein durch das Angebot interkultureller
Trainings,
die bisher vor allem in Kitas und Pflegeeinrichtungen
durchgeführt werden und gezielten Bildungsangeboten
für Eltern in Kitas in Zusammenarbeit mit
Land und Kommunen. In der Schwangerschaftskonfliktberatung,
der Beratung von Familien und in der Ausstiegsberatung
für ehemalige Prostituierte spiele das Thema
Migration eine große Rolle, so Ingrid Reutemann
vom Diakonischen Werk Baden.
„Baden-Württemberg hat von allen deutschen
Flächenländern den höchsten Migrationsanteil.
Die Zuwanderungspolitik setzt zunehmend auf die
Anwerbung von Fachkräften, während
die Hürden für den Familiennachzug
immer höher werden. Auch damit müssen
sich die Beratungseinrichtungen auseinander setzen,“ schlussfolgert
die Freiburger Wissenschaftlerin Helfferich.
letzte Aktualisierung
am 15. Juli 2011
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