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Keller setzt auf Bürgernetzwerke

Die ersten 100 Tage von Urs Keller /
Diakonie baut stadtteilnahe Versorgung im Alter mit auf

Karlsruhe (16.9.2011). Urs Keller (52), seit rund 100 Tagen neuer Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes Baden setzt auf die Entstehung von Bürgernetzwerken, in denen die Diakonie ihre Kompetenz einbringt und gemeinsam das Leben am Wohnort gestaltet wird.

Foto: Vorstandsvorsitzender OKR Urs Keller

Für Keller sind die drängendsten Fragen der Zukunft, wie Politik und Gesellschaft mit Alter und Pflege umgehen. Keller: „Unsere Gesellschaft muss sich zumuten, sich darüber Gedanken zu machen, was ihr die Lebensqualität und Pflege im Alter wert ist und was eine qualitativ hochwertige Versorgung kosten darf. Die Gesellschaft muss sich diesem Thema jetzt stellen und das nicht nur orientiert an Legislaturperioden.“ Es werde keine einfachen Lösungen geben, so der Soziologe. Die Diakonie biete an, sich auf der Suche nach Lösungen einzubringen. Keller selbst will diakonische Einrichtungen motivieren, vor Ort verstärkt auf Netzwerke zuzugehen und ihre Versorgungsleistungen anzubieten.

Wie die „diakonische Landschaft“ zukünftig aussehen kann, ist für den Theologen, der aus der sogenannten Unternehmensdiakonie in einen Landesverband kam, eine der besonderen Herausforderungen der Zukunft. Keller: „Zukünftig wird die Frage sein, was für eine Ethik eine Einrichtung hat. Wer sich um seine Unternehmenskultur kümmert, der tut auch etwas für seine Wirtschaftlichkeit.“ Ein Kongress in 2012 soll den Blick in die Zukunft ermöglichen und Perspektiven für die Diakonie eröffnen.

Der starke ökonomische Druck, unter den derzeit vor allem Pflegeeinrichtungen stehen, ist für den vorherigen Vorstandsvorsitzenden des Diakoniekranken-hauses Freiburg zwar ein ernstes Thema, vor allem aber erwartet er auch von den christlichen Einrichtungen einen verantwortlichen Umgang mit wirtschaftlichen Ressourcen. Von einer diakonischen Einrichtung müsse man erwarten können, dass sie verantwortlich mit ihren Ressourcen umgehe und dies auch transparent mache. Keller mahnt aber auch die Unterfinanzierung der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser im Land an.

Gleichzeitig solle das evangelische Profil der Einrichtungen deutlich werden. Für Keller schließt sich dies beides nicht aus. Keller: „Werteorientierte Unternehmen waren schon immer die erfolgreicheren.“ Deshalb sind für ihn die Positionierung am Markt, Kunden zu gewinnen und wirtschaftliche Strategien zu entwickeln ebenso wichtige unternehmerische Aspekte wie die Profilierung als kirchliche Einrichtung. Die zeige sich vor allem im Umgang mit den Mitarbeitenden und Bewohnern. Keller: „Die Mitarbeitenden sollen stolz sein können, bei der Diakonie zu arbeiten.“

Und das auch angesichts der immer wieder geäußerten Vorwürfe von Gewerkschaften, der kirchlichen Dritte Weg sei nicht mehr zeitgemäß und müsse angeschafft werden. Keller: „Wir stehen zum Dritten Weg. Wir haben paritätisch aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzte Kommissionen, in denen um das Arbeitsrecht gerungen wird und wo gemeinsame Lösungen gefunden werden.“

Einen Schlüssel für die Lösung sozialer Probleme sieht Keller in der Bildung. Keller: „Wenn wir uns verändern wollen, dann müssen wir für Bildung mehr Geld in die Hand nehmen. Als Diakonie kümmern wir uns um die Menschen, die aus dem System heraus fallen. Was investiert unsere Gesellschaft zum Beispiel in die Begleitung von Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeit finden?“

Die Maxime von Urs Keller, dem neuen Vorstandsvorsitzenden eines Landesverbandes der Diakonie, zu dem mehr als 3.000 Einrichtungen und diese gehören: „Wir geben keinen Menschen auf.“

letzte Aktualisierung am 19. September 2011

 
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