Formen
aus ihren Bedingheiten lösen
Variationen zur Kugel – Neue Ausstellung
von Sabine Classen in Karlsruhe / Kultur als Teil
von Heimat / Freie Kunst muss gefördert werden Karlsruhe
(16.2.2010). Mehr Gespräch zwischen
Kunstschaffenden und der Bevölkerung wünscht
sich die Bildhauerin Sabine Classen, Künstlerin
und Leiterin der Keramik-Akademie Karlsruhe.
Kultur müsse diskutiert werden. Kultur brauche
Aufmerksamkeit, einen Raum jenseits des Verkaufsbetriebes. „Kultur
ist ein Teil unserer Heimat. Sie gestaltet unser
Leben und unsere Gesellschaft mit. Es ist wichtig,
dass wir unsere kulturellen Wurzeln kennen und
kennenlernen,“ meint die Künstlerin. „Formen
in Bewegung und Wandlung - Variationen zur Kugel“ heißt
ihre neue Ausstellung, die sie jetzt im Diakonischen
Werk Baden in Karlsruhe vom 1. Februar bis Ende
April 2010 zeigt.
Sabine Classen hat festgestellt,
dass sich die Kulturpolitik in Deutschland
in den letzten Jahren
stark verändert hat. Zwar würde öffentlich
noch relativ viel Geld in Kunst investiert,
für freie Projekte die Mittel jedoch zurückgefahren.
Die Folge sei, dass Künstler hin und her
gerissen seien zwischen dem Druck, einerseits
ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Objekten
verdienen zu müssen und andererseits der
künstlerischen Notwendigkeit, genügend
Zeit und Ruhe zu finden für neue Inspirationen
zu einer ungebundenen und freien Kunst, die
von unverfügbarer Inspiration lebt. Ein
Reifeprozess, der bei manchen Objekten eventuell
Jahre dauert und der entgegen aller in unserer
Geschäftswelt üblichen Takt- und Maßeinheiten
nicht quantifizierbar ist. Manchmal „fällt
einem eine Idee schnell zu“, aber es ist
meist ein längerer Prozess, bis diese Idee
zu einer guten und von allen Seiten betrachtet
schlüssige Form entwickelt ist. Die Karlsruher
Künstlerin sieht den besten Weg, die freie
Kunst in der Gesellschaft am Leben zu erhalten
darin, ein Grundeinkommen für Künstler
zu beschließen.
Kunst berührt grundlegende Themen des Menschseins
und für Sabine Classen auch die Frage was
Raum und Zeit sind. Den Raum entdecken, durchschreiten,
ergreifen und füllen. Für sie beinhaltet
der Raum auch die Zeit. Die Natur macht es vor.
Von dort bekommt die Leiterin der Keramikakademie
Karlsruhe ihre Impulse. Sabine Classen: „Natur
arbeitet in Gebundenheit. Wie eine Pflanzen ist,
was sie tut und wie sie den Raum einnimmt, das
ist wichtig, damit sie leben, damit sie Photosynthese
betreiben kann. Die Form ist in diesem Fall die
Mittlerin zwischen Licht und Materie. Als Künstlerin
kann ich Formen zweckfrei gestalten. Ich kann
sie aus Bedingtheiten lösen und frei anwenden.“ Sabine
Classen setzt die Prinzipien der Natur für
sich ein. Dabei stellt sie in ihrer Arbeit vor
allem „wohlwollende und wohltuende Aspekte
in den Vordergrund“. So entstehen Objekte,
die sinnvoll, wertvoll und schön sind
In der Kugel sieht die Künstlerin den Ursprung
des kleinstmöglichen Ruhepunktes. Dieser
Form innewohnend sei die Bewegung. Bewegungsabläufe
bis in ihr Inneres aufzuspüren und nachzuvollziehen
ist Teil ihrer Arbeit. Sabine Classen studierte
bei Professor Busz an der Universität Kassel,
an der Fachhochschule für Gestaltung in
Pforzheim und an der Freien Kunstakademie in
Nürtingen. Ihre „Glühende Pyramide“ zum
Geburtstag der Stadt Karlsruhe 2001 sahen mehr
als 45.000 Menschen.
Öffnungszeiten: Mo bis Do 9.00-16.00 Uhr,
Fr 9.00-13.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr
Informationen über Sabine Classen und ihre
Kunst: www.sabineclassen.de
letzte Aktualisierung
am 16. Februar 2010
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